TERMINATOR – DIE ERLÖSUNG

You are the Resistance.

Filmkritik: Terminator - Die Erlösung.Der eigenen Brut können es Leinwandhelden offensichtlich nicht recht machen. Für Johnny Depps Nachwuchs ist Spiderman einfach cooler als Jack Sparrow, Hugh Jackmans Sohn kann mit Wolverine wenig anfangen, und Kaliforniens erster Mann im Staat muss sich von den eigenen Kindern anhören, dass der vierte auch zugleich der beste „Terminator“-Film sei. Man kann für Arnolds Seelenfrieden nur hoffen, dass der Grund dafür eher der stylische Look der Maschinen ist als die (fast) gänzliche Abwesenheit seines kantigen Konterfeis. Immerhin gibt es ihn kurz als imposante CGI-Montage zu sehen, und das war der nächsten Schwarzenegger-Generation vermutlich bereits genug – ein nackter T-800, der trotz Frontalaufnahme immer noch so ausgeleuchtet ist, dass die Frage unbeantwortet bleibt, ob Skynet ihren Maschinen auch Genitalien verpasst. Während Zack Snyder seinen Dr. Manhattan einfach mal gleich mit merklich größerer Unterleibsausstattung als in der Comic-Fassung vor die Kamera schickt (in „Watchmen“), muss sich Cameron-Nachfolger McG mit albernen Versteckspielen abmühen, die ihn (in dieser und anderer Hinsicht) zum direkten Konkurrenten von Robert Zemeckis und dessen absurden Verhüllungstricks aus „Beowulf“ machen. Aber was tut man nicht alles für ein PG13-Rating? Ein auf der Comic Con noch selbstbewusst verkündeter Topless-Shot von Moon Bloodgood landete am Ende im Zensur-Orbit, und auch sonst sind die einzigen, die sich uneingeschränkt hüllenlos zeigen dürfen, die Maschinen. Warum das zu erwähnen wichtig ist? Weil die Geschichte des Films ausschließlich dadurch motiviert wird, dass die Hauptfigur ihre eigene Zeugung absichern muss. Wo Sex also das Zentrum der Handlung ausmacht, sonst aber in fröhlicher Prüderie umschifft wird, präsentiert sich der Widerspruch amerikanischer Sexualmoral in Reinform. Kein Wunder also, dass die Maschinen in der Zukunft die besseren Überlebenschancen zu haben scheinen.

Terminator - Die Erlösung (Terminator Salvation). Foto: Sony Pictures Releasing GmbH

Im Grunde ist John Connor eine Art apokalyptisch überhöhte Variante von Marty McFly. Während letzterer aber mehr oder weniger durch einen dummen Zufall gezwungen wird, seine Eltern in der Vergangenheit miteinander zu verkuppeln, um seine eigene Existenz zu sichern, sieht die Sache beim letzten Hoffnungsträger der Menschheit (Connor, nicht der amtierende US-Präsident) noch etwas komplizierter aus. Der nämlich musste bekanntlich seinen eigenen Vater aus der Zukunft in die Vergangenheit schicken, um nicht nur seiner späteren (oder – je nach Perspektive – längst verstorbenen) Mutter das Leben zu retten, sondern auch sich selber überhaupt erst zeugen zu lassen. Dass sie Logik einer solchen Kausalkette, falls überhaupt, dann nur als Schleife funktioniert, kann man sich, wenn man will, von Terry Gilliam erklären lassen (in „Twelve Monkeys“) – in den „Terminator“-Filmen selber spielten solche Feinsinnigkeiten nie eine große Rolle. Interessant ist dabei, dass „Zurück in die Zukunft“ gerade mal ein halbes Jahr nach James Camerons Original in die Kinos kam, und damit (wenn auch eher ungewollt) bereits als Parodie funktionierte. Der vierte Teil der Maschinenkriegs-Serie geht jetzt auf seine eigene Weise denselben Weg, den Zemeckis bereits mit der ersten Fortsetzung seines Zeitreisefilms eingeschlagen hatte – er ändert die Fahrtrichtung.

Die erzählerische Neujustierung geschieht mithilfe einer bisher gänzlich unbekannten Figur: 2003 überantwortet Marcus Wright (Sam Worthington) am Vorabend seiner Hinrichtung den eigenen Körper einem Forschungsinstitut. Fünfzehn Jahre später taucht er wieder auf und entsteigt den Ruinen einer gerade dem Erdboden gleichgemachten Skynet-Einrichtung. Ohne Erinnerung an die Ereignisse dazwischen streift er orientierungslos durch ein Amerika, von dem nach dem nuklearen Holocaust von 2004 (dem „Judgement Day“) nicht mehr viel Zivilisation übriggeblieben ist. Die Überlebenden führen in mehr oder weniger gut organisierten Widerstandgruppen Krieg gegen eine Armee von Kampfrobotern, deren einziges Ziel es offenbar ist, alles menschliche Leben auszulöschen. Viele setzen ihre Hoffnungen auf John Connor (Christian Bale), der mehr über die künstlichen Gegner zu wissen scheint als jeder andere. Wovon niemand etwas ahnt: Nur wenn Conner jenen Mann findet, der als Zeitreisender einmal sein Vater werden soll, kann er überleben und den Krieg gewinnen. Ohne es zu wissen, wird Marcus zur Schlüsselfigur dieses Konflikts und steht schon bald seinem schlimmsten Alptraum gegenüber.

Terminator - Die Erlösung (Terminator Salvation). Foto: Sony Pictures Releasing GmbH

Eigentlich waren die Maschinen von jeher die Hauptfiguren der Serie, und das ist in diesem vierten Teil nicht anders, wohl aber auffälliger. So mancher mag aus nostalgischen Gründen nicht ganz wahrhaben wollen, dass Schwarzeneggers Figur zwar lernfähig war und kultige Einzeiler reproduzieren konnte, nichts davon aber seine Cyborg-Natur änderte. Wie wertlos derartige Tugenden zudem sind, wenn der Film selber nur ein müder Aufguss seiner Vorgänger ist, lässt sich immer wieder gerne an „Rise of the Machines“ nacherleben. Mit einiger Berechtigung kann man diesen dritten Teil der Serie auch als längsten Wahlwerbespot der Filmgeschichte betrachten, denn seinem Hauptdarsteller diente die späte Fortsetzung vor allem dazu, an bessere Zeiten zu erinnern und seine Eignung als kerniger Anpacker anzupreisen. Dass seine Karriere 2003 schon einige Jahre im leeren Raum vor sich hin dämmerte, ließ sich kaum verleugnen, und knapp zwei Monate nach der Uraufführung gab er bereits offiziell seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien bekannt. Auf der Leinwand war er obsolet geworden, und alles, was er zur „Terminator“-Serie beitragen konnte, hatte er in Camerons Original und dessen Sequel restlos abgeliefert (der viertelstündige IMAX-3D-Film „Battle across time“, eine Attraktion für die Unversal Studios, einmal nicht mitgerechnet).

Unabhängig von der Trilogie bot Camerons Storyline aber genügend Potential, um schnell ein Franchise-System zu begründen, das ganz ohne den Cyborg mit holprigem Akzent aus der Steiermark auskam. Allein über einhundert Comics sind seit 1988 entstanden, die das Grundkonzept in verschiedene Richtungen weiter ausbauten. Neben einigen abstrusen Crossover-Exoten (mit einem Terminator-Alien-Hybriden) konzentrierten sich Autoren und Herausgeber dabei vor allem entweder auf die Vorgeschichte mit einem jungen oder die Postapokalypse mit einem erwachsenen John Connor. Aus dem einen Ansatz entstand im Wesentlichen die ansehnliche TV-Serie „The Sarah Connor Chronicles“, aus dem anderen nun „Terminator Salvation“. Was die Fanbase interessierte, hatte mit Schwarzenegger nur sehr wenig zu tun, sehr viel hingegen aber mit dem Kampf zwischen Connor und Skynet. Dem zollt der neue Film nun Tribut, und dagegen gibt es auch nichts einzuwenden. Das sah sogar Cameron selber so.

Moon Bloodgood, Sam Worthington. Terminator - Die Erlösung (Terminator Salvation). Foto: Sony Pictures Releasing GmbH

Statt das alte Konzept von „Judgement Day“ noch einmal zu variieren, und dabei lediglich einen lauwarmen Nachzügler zu produzieren, konnte das Autorenduo John Brancato und Michael Ferris diesmal etwas freier vorgehen und erfand unter den Rahmenbedingungen der Serie im Grunde eine neue Geschichte. Ursprünglich war John Connor als bloße Nebenfigur angelegt und Marcus Wright der eigentliche Handlungsträger. Erst als Christian Bale zum Projekt stieß, änderte sich die Gewichtung, und der zukünftige Anführer des Widerstandes bekam mehr Leinwandzeit (und einen vielbeachteten Wutanfall hinter der Kamera). Dass diese Entwicklung keine organische war, sieht man dem fertigen Film immer noch an. Viele Connor-Sequenzen sind mehr oder weniger Füllmaterial, und das zweite Drittel widmet sich praktisch vollständig Marcus Wright. Bales Interpretation lässt seine Figur zwischen Charismatiker und Fanatiker pendeln, bleibt dem Zuschauer aber weitestgehend fern. Für zukünftige Sequels ist also eine Menge Raum übrig, diese zentrale Gestalt der Serie detaillierter zu entfalten. Will man eine Idee davon bekommen, wie faszinierend eine vergleichbare Rolle in Bales Händen geraten kann, eignet sich Werner Herzogs außergewöhnlicher Kriegsfilm „Rescue Dawn“ als beeindruckendes Beispiel.

Christian Bale. Terminator - Die Erlösung (Terminator Salvation). Foto: Sony Pictures Releasing GmbH

„Terminator – Die Erlösung / Terminator Salvation“ bietet vor allem eines – mehr Maschinen. Kein Teil der Serie zuvor (und der TV-Ableger erst recht nicht) zeigte soviel Kampfmaterial aus den Produktionshallen von Skynet. Das Erfindungsreichtum ist dabei ziemlich ausgefeilt, und im Einsatz sorgen die Blechkrieger unter der Regie von McG für jede Menge ebenso gut fotografierte wie choreografierte Action. Dass sich die Begeisterung an den US-Kinokassen dennoch in Grenzen hielt, liegt vor allem daran, dass die Zeit düsterer Zukunftsvisionen im Augenblick vorbei ist. Mit dem alptraumhaften Siegszug des Jokers im vergangenen Jahr war dieses Kapitel erst einmal abgeschlossen. Seitdem regiert die Tagträumerei. Nicht umsonst verlor der menschliche Widerstand in zwei aufeinanderfolgenden Wochen jede Menge Zuschauer an familientaugliche Mitbewerber. Wundern sollte das eigentlich niemanden: Ein Land, das seit der Nacht des 4. Novembers 2008 vom Weltfrieden am Ende des Horizonts überzeugt sein will, hat kein gesteigertes Interesse an filmischen Fantasien, die das genaue Gegenteil verkünden. Daran wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch eine ganze Weile nichts ändern. Zumal von der titelgebenden Erlösung zumindest in diesem Teil der Serie weit und breit nichts zu sehen ist. Ein angeblich von McG in Erwägung gezogenes alternatives Ende, demgemäss John Connor selber zum Terminator und Mörder seiner Gefolgsleute werden sollte, wäre zumindest aus Sicht mancher Verächter der Serie eine echte Erlösung gewesen. So jedoch müssen sie allem Anschein nach mindestens noch zwei weitere Teile erdulden.

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Terminator - Die Erlösung (Terminator Salvation). Plakat: Sony Pictures Releasing GmbH

Artikel © 2009 Thomas Lenz. Alle Rechte vorbehalten.
Filmplakat / Fotos: Sony Pictures Releasing GmbH

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Tara Bennett: Terminator Salvation - The Official Movie Companion (gebunden, engl.) Tara Bennett: The Art of Terminator Salvation (gebunden, engl.)

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